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Datenschutz

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Kunstverein Worms e.V.

 

Junge Kunst zu Gast im Kunstverein

Abschlussausstellung der Abiturienten des Landeskunstgymnasiums Alzey

Vom 29.01. bis zum 08.02.2015

Unter dem Motto „Bild(-ungs)lücke – Eine Art Ausstellung“ zeigen die Schüler/innen ihre Arbeiten aus den letzten drei Jahren. Neben den klassischen Gattungen der Bildenden Kunst, wie Grafik und Malerei, werden auch Fotografien, Filme und Videoinstallationen zu sehen sein.

 

ornamental structures

7. 9. – 5.10.2014 – Kuratorin der Ausstellung Dr. Lida von Mengden –

Infotext:

Etwa seit der Jahrtausendwende ist in der bildenden Kunst, im Design und in der Architektur der westlichen Industrieländer eine erneute Hinwendung zum Ornament festzustellen. Das erscheint überraschend, war doch das 20. Jahrhundert in diesen Ländern von einer weitgehenden Ornamentlosigkeit geprägt. Stattdessen kam es u.a. ausgelöst durch das Bauhaus und sein künstlerisches Programm  zu einer Neuorientierung mit der Entwicklung von abstrakter und konkreter Kunst.

In der gegenwärtigen Aneignung  bzw. im Rückgriff auf ornamentale Strukturen zeichnet sich ein neuer Umgang mit dem Ornament ab: die strenge Ordnung traditioneller Ornamentik wird heute vielfach gebrochen, Ornamentformen kritisch oder ironisch eingesetzt. Die Verwendung von Ornamenten folgt heute somit stilistischen Prinzipien des 20. Jahrhunderts, u.a. dem Zitat, der Collage, der Dekonstruktion, dem Cross-Over. In einigen Positionen lässt sich der Einfluss außereuropäischer Kulturen erkennen, deren ornamentale Traditionen noch lebendig sind, in anderen zeigt sich der Einfluss heutiger Medientechnologie, die in seriellen Strukturen, u.ä.  und Software-Programmen eine neue Ornamentik entwickelt.

Ornamentale Strukturen sind Ordnungssysteme, die auch in der Vergangenheit keineswegs ausschließlich der Dekoration dienten. Vielmehr zeichnen sie sich durch Ambivalenz aus:  hinter der verführerisch dekorativen Oberfläche verbirgt sich eine rigide Ordnung, die alles ihrem Takt unterwirft und in ihren Bann zieht. So versteht man, warum sich das Ornament zugleich zur Repräsentation und als Machtinstrument eignet: in der Flächenorganisation des Ornaments und seiner Dynamik steckt sowohl ein tänzerischer Rhythmus als auch der Marschschritt der Soldaten.

Das Dekorative und die scheinbare Harmlosigkeit des Ornaments können als Camouflage für völlig anderslautende Botschaften dienen – gestern wie heute. Die in der Ausstellung vertretenen KünstlerInnen setzen daher ornamentale Strukturen gezielt als Ausdrucksmittel ein.  „ornamental structures“ stellt mit 12 internationalen Positionen aus den Bereichen Skulptur, Zeichnung, Scherenschnitt, Installation, Computeranimation und  Video eine Auswahl  aktueller Ornament-Konzepte vor:

Margret Eicher/D – Parastou Forouhar /D/IR – Gabriele Basch /D – Sakir Gökcebag /TR –  Alke Reeh /D –  Karsten Trappe /D – Mary Bauermeister /DStoll&Wachall /D/FR –  Dieter Balzer /D – Diet Sayler /D/RO – Marten Georg Schmid/D) – Casey Reas /USA.

Die Ausstellung wurde bereits in der Stadtgalerie Saarbrücken (2011), dem Kunstverein Pforzheim (2012), der Stadtgalerie und den Flottmannhallen Herne/Bochum (2013) gezeigt und für den Kunstverein Worms neu arrangiert.

Hauptförderer:  Kultursommer Rheinland-Pfalz 2014  „Mit allen Sinnen“

Sponsoren: Ritter Sport – Kobil Systems – Sparkasse Worms-Alzey-Ried –  EWR

Birgitta + Stephan Martin

LICHTSPUREN 2014 –
Performance – Installation – Zeichnung
14. Juni bis 6. Juli

Lichtspuren 2014 heißt die zur Kulturnacht eröffnete Ausstellung mit der in Worms geborenen und heute in Hannover lebenden Künstlerin Birgitta Martin. Dabei präsentiert sich der Kunstverein ganz im Dunkeln, erleuchtet lediglich von Schwarzlichtlampen, Video- bzw. Rauminstallationen und einer interaktiven Projektion des Bruders Stephan Martin. Dazu kommt eine Performance der Künstlerin mit Leuchtfarben im Dunkeln: Eine getanzte Zeichnung im Raum zur improvisierten Livemusik von Monika Herrmann am Cello.

Susanne Kamps

BED & BREAKFAST –

9. März – 6. April 2014 –

2001 absolvierte die Düsseldorfer Malerin Susanne Kamps ihr Studium an der Kunstakademie Münster bei Prof. Hermann-Josef Kuhna als Meisterschülerin. Seit dem zieht es sie immer wieder in den Süden Frankreichs, wo die meisten ihrer Bilder als eine Art Reisetagebuch entstehen. Wie schon die ‚wilden’ Maler der Fauves vor gut 100 Jahre lässt sie sich hier von dem intensiven Licht des Südens anregen. Wilde und besonders kräftige Farben gewinnen hier ein sinnliches Eigenleben, das kaum noch an den tatsächlichen Dingen haften will. Die akademische Perspektive verflacht, und die Farben selbst verschaffen sich ihren Raum und ihre Freiheit. Seit einiger Zeit findet Susanne Kamps ihre Sonne und ihre Farben auch in anderen Mittelmeerländern – in Kroatien und in Israel.

 

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Gerhard Pallasch

Commedia dell‘ arte – 3. 11. – 1. 12. 2013 –

Der Wormser Maler und Grafiker Gerhard Pallasch hätte in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag gefeiert. Aus diesem Anlass möchte der Kunstverein Worms den unvergessenen Künstler posthum mit einer Ausstellung ehren. Bekannt war und ist der Kokoschka-Schüler Pallasch vor allem für sein grafisches Werk, seine wunderbaren Zeichnungen und Buchillustrationen. Seltener sind seine Gemälde, die nun im Mittelpunkt stehen werden. Dabei dominiert ein großes Thema, das ihn seit den 1950er Jahren immer wieder fasziniert hat: die Figuren und Masken der Commedia dell‘ arte. Vor allem liebte er den Harlekin, den er einmal sogar als seine eigene Lebensphilosophie bezeichnet hat.

 

Mathias Otto

ALLNÄCHTLICHES – 29. 09. – 27. 10. 2013

Der 1958 in Nürnberg geborene und ebenda an der Kunstakademie ausgebildete Maler Mathias Otto hat sich einem seit dem Barock bekannten Genre verschrieben – dem Nachtstück. Auch die Romantik liebte solche meist menschenleeren Nocturni. Mathias Otto aber malt durchaus zeitkritische Interieurs und Exterieurs unserer Epoche. Er spiegelt damit sehr elementare Gefühle, die auch den modernen Menschen nachwievor allnächtlich berühren. Dabei kann die Elektrifizierung der Nacht nicht alle Ängste vertreiben, vielmehr beleuchtet sie eine oft seelenlose Urbanität und traurige Wohnkultur, wie auch Gefühle der Einsamkeit und Sehnsucht in einer unromantischen Welt.

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Bitzigeio, Kirsch, Paltzer

Recycle – 3 KünstlerInnen aus der Eifel –

Werner Bitzigeio, Dorothea Kirsch, Kalle Paltzer – 25.08. – 22.09. 2013 –

Der Kunstverein Worms präsentiert drei KünstlerInnen, die biographisch eng mit der Eifel verbunden sind. Alle sind hier oder am Rande dieser alten Kulturlandschaft geboren und aufgewachsen, haben als junge Leute in fernen Großstädten studiert und gearbeitet und sind zum Teil wieder zurückgekehrt. Diese biografischen Parallelen sind zunächst nur eine formale Gemeinsamkeit. Jede/r nimmt selbstverständlich eine ganz individuelle Position ein und schafft ganz unterschiedliche Kunstwerke. Aber alle Drei stehen sich auch ästhetisch nahe, wie zu zeigen sein wird: Alle Drei beschäftigen sich künstlerisch mit der Natur und verwandeln industriell gefertigte Materialien in organisch anmutende Kunstwerke. Oft werden dabei – wie einst bei der italienischen Arte povera – alte Materialien verwendet: ausgediente Eisenteile, achtlos weggeworfene Papiere oder alte Nylonstrümpfe, so dass man von einem ästhetischen Recycling sprechen kann.

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    Bitzigeio                              Kirsch                                   Paltzer

Katalogtext:

Werner Bitzigeio entstammt einer italienischen Steinhauerfamilie, die es im 18. Jahrhundert in die an Steinbrüchen reiche Eifel verschlagen hat. Er jedoch hat sich dem in der Eifel ebenfalls sehr traditionsreichen Eisen zugewandt. Dabei war Draht lange sein bevorzugtes Material, das er zu linearen Zeichnungen im Raum verwickelte, verstrickte, verwebte. Während Steinskulpturen massiv und monumental sind, erscheinen Bitzigeios Eisenoder Stahlobjekte leicht und luftig, transparent. Man könnte sie als konstruktivistisch bezeichnen und dabei an einen anderen berühmten Mann aus der Eifel denken, Gustave Bönickhausen, dessen Familie einst von Marmagen in der Eifel nach Paris auswanderte und sich fortan Eiffel nannte. Doch Bitzigeio ist kein Skelettbauarchitekt oder Ingenieur und konterkariert gerne den industriellen Ursprung seines Metallmaterials. So verwendet er seit einiger Zeit neben dem Draht auch Moniereisen, das Architekten für ihre Betonbauten verwenden. Er verwandelt dieses Eisen in eine plastische Struktur, raubt ihm dabei seine funktionale Bestimmung und verwandelt das zweidimensionale Quadrat­raster in eine dreidimensionale Kugelform. So gelingt Bitzigeio eine Art Quadratur des Kreises und die Verwandlung eines banalen Baustoffes in ein schönes Kunstwerk. Kugeln und andere runde Formen dominieren dabei das Formenrepertoire des Werner Bitzigeio, womit er sich vom rationalen Rasterdenken funktionaler Konstruktionen entfernt und sich den organischen Strukturen der Natur nähert. Das gilt auch für seine massiven Kugeln aus runden oder vierkantigen Eisenrohren. Die rostrote Patina der meisten Objekte unterstreicht den natürlichen Aspekt, insbesondere dann, wenn sie direkt in der Natur präsentiert werden. Darüber hinaus erschließt Bitzigeio mit den Metamorphosen des Materials sogar zeitkritische Aspekte. Wenn er zum Beispiel Stacheldraht zu einem runden Knäuel verwickelt, recycelt er das Aggressive in etwas Ästhetisches. Noch deutlicher wird diese pazifistische Wandlung bei seinen Arbeiten mit ausgedienten Schweißdrähten, die der Künstler von einer Rüstungsfirma bezieht und in friedlich schöne Geflechte mit komplexer Stereometrie verwandelt.

Dorothea Kirsch  ist gelernte Puppenspielerin, die sich seit gut 20 Jahren ganz der bildenden Kunst verschrieben hat. Ihre ersten freien Kunstobjekte sind Mobilés, die noch deutlich eine Verwandtschaft zu Marionetten verraten. Aus ganz einfachen Materialien wie Draht, Pappmaschee oder alten Textilien gelingen ihr verblüffend naturgetreue Figurationen, die freilich keiner Theaterregie mehr folgen müssen, sondern nur noch leise und poetisch vom Wind bewegt werden. Wie Bitzigeio zeichnet auch sie in den Raum, schafft transparente Objekte und recycelt dabei gerne ausgedientes Industriematerial. Hinzu kommen Fundstücke aus der Natur, Treibholz, Äste, Knochen usw. Dem Mobilé ist Dorothea Kirsch bis heute treu geblieben, wie die neueren Arbeiten ‚Elephants‘, ‚Last Summer Queen‘ (eine riesige Libelle) oder ‚Larve‘ beweisen. Dieser zoologisch inspirierten Gruppe von Arbeiten der Dorothea Kirsch folgt eine Reihe von Werken, die eher botanische Themen aufgreifen und von der Künstlerin ‚Botanikels‘ genannt werden. Das sind Blätter (wie Ginkgo), Blüten (wie Seerosen) und Früchte (wie Schlafmohn), die in ihrem (fraktalen) Bauplan analysiert und mit Draht oder dünnen Eisenstäben in eine lineare Raumzeichnung verwandelt werden. Pappmaschee, in das zum Teil echte Blätter eingearbeitet sind, oder rostige Bleche füllen die Flächen, so dass wiederum sehr anmutige Figurationen entstehen. Koloristisch bewegen sich diese Botanikels zwischen Weiß und Dunkel sowie den rostigen Tönen Rot, Braun, Orange – eine sehr archaische Farbpalette. Alle Objekte wirken gealtert und verwittert, manchmal auch verwelkt und morbide. Doch sie sind schön und beweisen, wie man aus ganz ärmlichen Materialien im Sinne der Arte povera Kunst machen kann. Das gilt auch für viele andere Ideen, die Dorothea Kirsch in den letzten Jahren entwickelt hat, wobei ihre kinetischen Objekte (Kinetikels) hervorzuheben wären. Das sind bizarre Maschinen aus Fundstücken wie zum Beispiel einem alten Plattenspieler, der in ein surreales Karussell umgebaut wird. Kunst kann zaubern.

Kalle Paltzer hat in der Eifel eine Töpferlehre absolvert, ehe es ihn nach Köln zog. Er ist ein echter Tausendsassa, Musiker, Schauspieler, Illustrator, Grafiker und seit den 1990er Jahren bildender Künstler. Papier ist dabei sein Ausgangsmaterial, das er seit vielen Jahren auf den Straßen und Spazierwegen sammelt. Diese oft achtlos weggeworfenen Fetzen werden in sein Archiv aufgenommen , um dort auf ihr ästhetisches Recycling zu warten. Meist wird zunächst mit Pappe ein Grundgerüst gebaut, auf dass dann Pappmaschee (Pulpe) mit einem selbst entwickelten Spezialleim aufgetragen oder Papier in zahlreichen Lagen aufkaschiert wird. Beim Trocknungsprozess zieht sich das nasse Papier zusammen, lässt das darunterliegende Gerüst plastisch hervortreten und verformt schließlich die ganze Papierplastik in konkave oder konvexe Formen, ein Vorgang, den der Künstler mit Gewichten geschickt zu steuern weiß. Zweidimensionales Papier wird also in einen dreidimensionalen Körper verwandelt, den man auch als Reliefs bezeichnen könnte, der als hängendes Wandobjekt seinen Platz als Kunstwerk findet. Kalle Paltzer gelingen so echte Metamorphosen. Das industriell hergestellte Papier wird jeweils in einen elementaren Urund weichen Aggregatzustand verwandelt, so dass es neu geformt werden kann. Wie bei echtem Recyclingpapier entsteht etwas Neues aus etwas Alten, das sich freilich ganz von der industriellen Perfektion löst und dem Papier seine organische und vegetabile Natur wieder zurück gibt. Der Leim und farbige Reste im Papier selbst reagieren miteinander und erzeugen eine eigene zarte Farbigkeit. Bisweilen forciert der Künstler dieses Kolorit durch zugesetzte Pigmente. Licht und Schatten spielen über die Oberflächen, die – je nach Betrachtungswinkel – immer neue Strukturen offenbaren. Dabei können sich Assoziationen an Pergament, Haut und Adern, Rippen und knochenähnliche Strukturen einstellen. Man kann auch an verputzte Wände oder Steine denken, die bei Kalle Paltzer freilich nur eine optische Schwere und Massivität suggerieren. Und je länger man schaut, desto faszinierender wird dieses Trompe- l’oeil und die Kunst des Kalle Paltzer „mit dem Auge zu fühlen“.

Dr. Dietmar Schuth

Florin Sebastian Winkler

ABSTRAHIERTE ARCHETYPEN – 23.06. – 21.07. 2013 –

Katalogtext:

Schon 2005 zeigte der Kunstverein Worms Werke von Florin Sebastian Winkler in seiner Ausstellung „Siegfriede“. Acht Jahre später kehren seine alten Helden zusammen mit vielen neuen Werken in die Nibelungenstadt am Rhein zurück. Denn der Künstler hat diesem heroischen Epos aus sagenhafter Zeit eine echte Treue geschworen und beschäftigt sich seit vielen Jahren nahezu ausschließlich damit. Dabei bildet eine genaue philologische Kenntnis der drei überlieferten Handschriften die Grundlage eines jeden Bildes, das jeweils die betreffende Aventüre zitiert und illustriert.

Zunächst widmet Winkler den wichtigsten Hauptrollen ein eigenes Porträt: Siegfried natürlich sowie Kriemhild und Hagen. Auch Brünnhilde und Gunther erscheinen in ihren allseits bekannten Nebenrollen, sowie ein eher unberühmter Statist, der Kaplan des Königs. Weissagende Wasserfrauen hatten den nach Ungarn ziehenden Burgundern prophezeit, dass nur dieser nicht ins Verderben gezogen würde. Hagen will ihn darauf in der Hochwasser führenden Donau ertränken, doch der Kaplan überlebt durch ein Wunder und bestätigt so die Prophezeiung.

Winkler erzählt uns das in Worms wahrlich allgegenwärtige Epos auf seine ganz persönliche Weise und konzentriert sich auf Personen und Szenen, die ihn besonders interessieren. Und diese sind nicht immer die berühmtesten, so dass man das eine oder andere vermissen könnte, wenn man den Stoff zum Beispiel nur durch die Rezeption eines Richard Wagner kennt. Winkler erzählt seine eigene Geschichte, interessiert sich auch für dramatisch weniger brisante Momente wie den kleinen Zickenkrieg zwischen Kriemhild und Brünnhilde auf den Stufen des Wormser Domes oder die Lehensbeziehung zwischen Siegfried und Gunther.

Es wird deutlich, dass Winkler kein Illustrator des Nibelungenliedes sein will und auch die Chronologie der Ereignisse durchmischt. Es geht ihm nicht um ein Nacherzählen, sondern um eine Exegese des Geschriebenen. Denn die Figuren des Nibelungenliedes sind mehr als nur Teile einer fortlaufenden Handlung, sie verkörpern archetypische Charaktere und elementare Konflikte zwischen den Menschen, die auch im 3. Jahrtausend noch gelten. Hier sind es vor allem die bösartigen Seiten des Menschen, die Winkler in seinen Bildern auslotet, wie das schauderhafte Gemetzel an Etzels Hof oder die rachsüchtige Ermordung Hagens durch Kriemhild am Ende der Geschichte. Und schaut man in die Welt von heute mit ihren vielen Kriegsschauplätzen, zeigt sich wie aktuell die Bilder von Florin Sebastian Winkler sind. Immer noch schwören fragwürdige Helden ihre Waffeneide und geben sich wie vor über tausend Jahren archaischen Rachegefühlen und der Lust am Töten hin.

Betrachtet man nun die Bilder dieser Ausstellung und ihres Kataloges, wird deutlich, dass der Künstler die literarische Reduktion und Abstraktion des Nibelungenliedes auch malerisch umsetzt. Alle seine Bilder zeigen zwar menschliche Figuren mit ihren Kostümen und Requisiten, die sie als mittelalterliche Helden und Heldinnen ausweisen, doch sind alle Motive stark schematisiert. Das gilt ebenso für alle anderen Elemente, die man als Teile eines Bühnenbildes ansprechen könnte, wie Landschaft und Architektur. Darüber hinaus werden diese Schemen nicht nur in ihren Konturen abstrahiert, sondern auch farbig fraktioniert und in einfarbige Farbflächen aufgetrennt. Dies erinnert ein wenig an die Lokalfarbigkeit mittelalterlicher Fresken oder Buchmalereien, die jeder Figur meist nur eine Farbe zuordnete und diese oft ohne Schattierungen und Binnen­zeichnungen schematisch gestaltete. Man kann auch an mittelalterliche Glasmosaiken denken, die ebenfalls aus monochromen Flächen gefärbten Glases zusammen gesetzt wurden und lediglich durch Schwarzlot eine Binnenzeichnung erhielten.

Die Mosaiken des Florin Sebastian Winkler bestehen aber nicht aus transparentem Glas, sondern aus einem festen Karton, den er mit Acrylfarbe monochrom bemalt und dann mit anderen, geometrisch oft bizarren Farbkartons zusammen setzt. Dabei folgt er nur selten einer realistischen Farbgebung, sondern eher einem wirklichkeitsfremdem Kolorit, das allen Dingen wie schon im Expressionismus oder in der Pop-Art einer farblichen Verfremdung unterzieht. So verlieren sich viele figurativen Motive in einer freien und abstrakten Farbe, die ein dynamisches Eigenleben entwickelt und selbst zum expressiven Handlungsmotiv wird.

Diese ungewöhnliche und technisch sehr anspruchsvolle Technik lässt sich auch mit ganz modernen Bildwelten vergleichen, die nicht unbedingt aus der Kunstgeschichte stammen. So kann man bei der für Winkler so typischen Addition farbiger Flächen an Paint-by-Numbers-Bilder denken, wo die einzelnen Elemente ebenfalls ohne Übergänge aufeinander stoßen. Darüber hinaus werden jene farbigen Kartons von Winkler nicht plan, sondern dreidimensional zusammen gefügt. Sie werden zum Relief, verlassen die klassische Wand, greifen sogar in den Raum hinein und erinnern bisweilen an die seit einigen Jahren vermarkteten 3-D-Puzzles.

Florin Sebastian Winkler gelingt also eine Synthese ganz alter künstlerischer Techniken mit den trivialen Bildwelten unserer Zeit und schafft so eine völlig neue ästhetische Sichtweise auf einen uralten Stoff. Man erinnere sich, wie grauenhaft pathetisch das Nibelungenlied noch im 19. und 20. Jahrhundert illustriert wurde, so dass ein zeitgenössischer Künstler kaum noch anschließen kann. Doch Winkler gelingt eine sehr jugendliche Umsetzung des Themas. Schließlich sind die Helden des Mittelalters auch im Computerzeitalter des 3. Jahrtausende mit seinen digital animierten Fantasiecomics sehr populär und so alte Stories wie das Nibelungenlied noch lange nicht gestorben.

Dr. Dietmar Schuth